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Zurück in die Vergangenheit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Warum die Schweiz dringend eine zukunftsorientierte Medienförderung braucht und warum noch keine in Aussicht ist.

Bild: Lucrezia Carnelos (Unplash)


Die Schweizer Medien leiden unter rückläufigen Abonnenten und Werbeeinnahmen und unter der mangelnden Zahlungsbereitschaft für ihre Inhalte im Netz. Um die Herausforderungen der Medienunternehmen zu verstehen, reicht ein Blick auf die Mobiltelefone aller unter 30-Jährigen. Wie viele Apps finden sich dort von Schweizer Medien, die wirklich regelmässig genutzt werden? Höchstens eine, wenn überhaupt. Dabei macht diese Altersgruppe rund einen Drittel der Bevölkerung und steht für die Zukunft unseres Landes. Diese Altersgruppe lässt sich längst von YouTube und Spotify unterhalten und konsumiert inzwischen auch Nachrichten aus der Schweiz zunehmend über Google, Instagram, TikTok oder Twitter. Die Inhalte der Schweizer Medien finden ihren Weg zu diesen jüngeren Generationen somit wenn überhaupt, nicht mehr direkt. Damit entgehen ihnen die Werbeerlöse und Nutzerdaten, wie auch die Freiheit darüber, wie sie ihr Angebot gestalten wollen.


Die Problemstellung für die Schweizer Medien in der digitalen Welt hat auch einen Namen: «Plattformökonomie». Sie ist die eigentliche Ursache für den Verlust von Nutzenden und Werbegeld. Sie ist das Abbild unserer Mobiltelefone, ein Marktplatz digitaler Dienstleistungen, sog. Apps, die zunehmend unser Leben bestimmen. Und die wenigen Plätze auf unseren Mobiltelefonen sind begehrt. Das Rennen macht, wer mit Angebot und Benutzerfreundlichkeit überzeugen kann. Deshalb wird auch viel Geld in die Entwicklung dieser Apps investiert. Auf den ersten Plätzen stehen die grossen globalen Technologieunternehmen. Es gilt, wer einmal eine hochwertige Plattform entwickelt hat, kann diese leicht auf andere Länder adaptieren, YouTube hat es uns vorgemacht. Und das lohnt sich, denn alleine mit Werbung verdienen diese Plattformen in der Schweiz gut CHF 2 Mia. jährlich. Auf diesen globalen Wettbewerb waren die Schweizer Medien nicht vorbereitet. Es fehlen ihnen die Mittel und das Know-how, um nebst den übermächtigen Plattformen der grossen Technologiekonzerne Google und Meta bestehen zu können. Und weil gleichzeitig die Werbeeinnahmen wegbrechen, drehen jetzt alle an der Sparschraube und rufen nach staatlicher Unterstützung.


Eine stärkere Medienförderung soll dieses Ungleichgewicht korrigieren. Doch der letzte Versuch, auf politischem Weg weitere Fördergelder zu erwirken, erweckte nicht gerade den Eindruck, als gehe es hier um die Zukunft der Schweizer Medien. Mit den geforderten zusätzlichen CHF 150 Mio. pro Jahr, hätten im Giesskannenprinzip vor allem die Postzustellungen von gedruckten Zeitungen subventionieren werden sollen. Also noch mehr Geld für ein Geschäftsfeld, dessen Ende ohnehin nicht mehr abgewendet werden kann? Denn auch wenn wir es zwischendurch sicher gerne haptisch mögen, die Ressource «Papier» wird sich als Verbrauchsgut nicht mehr lange rechtfertigen lassen. Diese Medienförderung wäre zu einem Fass ohne Boden geworden. Und so wurde diese Gesetzesvorlage im Februar 2022 vom Schweizer Stimmvolk denn auch klar abgelehnt. «Back to the past» kann also nicht die Lösung sein.


Nun hat die Eidgenössische Kommission für Medien (EMEK) im Januar 2023 einen neuen Vorschlag präsentiert. «Technologieneutral» soll die Medienförderung werden und sich nicht mehr nach den einzelnen Gattungen wie Radio, TV oder Zeitungen orientieren. Das klingt doch schon ein bisschen mehr wie Zukunft. Doch gemäss Politexperten müssen wir uns bis zu deren allfälligen Umsetzung rund 10 Jahre gedulden. Und die starke Abhängigkeit von den grossen Plattformen bei der Verbreitung der Medienhalte wird mit diesem Vorschlag auch nicht gemindert. Auch das angekündigte Leistungsschutzrecht oder die Übernahme der EU-Plattformgesetze wie der «Digital Markets Act» oder der «Digital Services Act» werden dies nicht lösen. Sie nähren letztendlich das System, welches die klassischen Medienunternehmen in diese miesliche Lage gebraucht hat.


Und so bleiben all diese Vorstösse letztendlich doch nur eine Symptombekämpfung und keine Antwort auf die Ursache der Problemstellung, sprich eine Antwort auf das Ungleichgewicht der Plattformökonomie. Die Branche wäre deshalb dringend gefordert, proaktiv eigene Lösungen zu entwickeln. Doch finanzielle Reserven, Konsolidierungen, Diversifikation und das Prinzip Hoffnung, lassen viele Medienunternehmen weiterwursteln und wenig unternehmerische und medienpolitische Innovationskraft erkennen.


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Text: David Elsasser

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Publikation nur mit Genehmigung und Nennung des Autors und der Unternehmung ReMindset. Sämtliche Aussagen in diesem Beitrag basieren auf der persönlichen Meinung und

Einschätzung des Autors und sind nicht an die Interessen früherer und bestehender Geschäfts- und Arbeitsbeziehungen oder an politische Interessen gekoppelt.





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